Ein Kärntner Scheuch, ganz anders …….
Dr. Heimo Scheuch, ein Cousin der Brüder Kurt und DI Uwe Scheuch, ebenfalls aus Mühldorf im Mölltal gebürtig, verließ bald sein Heimatland, studierte und machte in der Welt Karriere. Heute ist er Vorstandsvorsitzender des bekannten und börsennotierten Wienerberger Konzerns mit Sitz in Wien. In einem Interview in der Tageszeitung Wirtschaftsblatt zeichnet er ein Wunschbild eines offenen, zwei- und mehrsprachigen fortschrittlichen Kärntens. Daraus erlauben wir uns, einige Passagen zu entnehmen. Wir können seinen Ausführungen nur zustimmen. (RJ)
Was hat sich in Kärnten seit Ihren 18. Lebensjahr am stärksten verändert?
Kärnten hatte eine Phase, die stärker von einer Isolation geprägt war. Man hat sich mehr abgeschottet als geöffnet. Ich habe das Gefühl, das sich das ändert. Ein Beispiel ist die lange latente Problematik der Ortstafeln. Das war schade für das Land. Wir leben heute in einem ganz anderen Europa. Die Menschen sollten nicht darüber sprechen, was sie trennt, sondern was sie verbindet. Man soll sich eher darum kümmern, dass Kinder zweisprachig aufwachsen können – das ist ein Riesenasset und, dass man die Kultur des anderen respektiert. Diese Öffnung hat man lange vermisst.
Ist Ausgrenzung Teil der Mentalität des Kärntners?
Viele Kärntner warten, bis alles auf sie zukommt, anstatt sich zu öffnen und aktiv rauszugehen. Das Land hat ein Riesenpotenzial. Unsere Bezugspunkte sind Italien und Slowenien – auch wirtschaftlich. Es ist verwunderlich, dass Unternehmer ohne Sprachkenntnisse nicht in Laibach oder Udine arbeiten, aber im weiter entfernten Wien. Die Öffnung ist auch in der Wirtschaft zu vermissen. Kärnten wäre gut beraten, diesen Prozess zu intensivieren: das ist die einzige Zukunft, die das Land hat. Unternehmer schotten sich so von einem ganzen Markt ab. Das gilt für die Entscheidungsträger des Landes, wie für die Bevölkerung.
Was sind Kärntens größte Probleme?
Kärnten ist kein Industrieland. Aufgrund der Topografie kann sich das Land aber touristisch gut positionieren. Kärnten hätte gute Chancen, wenn man sich dem Thema Bio und Energieeffizienz annimmt: Mehr auf exklusiven Tourismus und nicht auf Massen. Weniger, aber besser, ist meine Devise. Dafür bedarf es einer Infrastruktur: Man kann ein Hotel nicht von Mai bis September führen. Man muss langfristig denken – Seminartourismus zum Beispiel. Dafür bedarf es auch Restaurants und Geschäfte um die Hotels. Da mangelt es in Kärnten
Viele Skigebiete sind pleite. Der Anschluss wurde verpasst. Wo soll man ansetzen?
Eine Region, die kein starkes Unternehmertum kennt, hat es schwer eines aufzubauen. In Skigebiete hat vor allem das Land investiert. Die Rolle des Staates war stark, während in Tirol Unternehmer investierten: Das ist eine andere Führung und die fehlt hier. Der Erfolg der Tiroler kommt nicht von selbst: Sie bieten Skikurse im Ausland an und kooperieren mit Reisebüros. Kärnten hat den Einschlag: „Immer lei losn” und schauen, was dabei rauskommt. Das Aktive fehlt. Die Chance zu Oberitalien und Slowenien muss genutzt werden.
Wie ändert sich diese Einstellung?
Man muss den Gästen die Chance geben Ihre Sprache zu sprechen. Am Mölltaler Gletscher ist jeder zweite Kroate oder Slowene. Touristen fühlen sich wohler, wenn man sie in ihrer Sprache anspricht; dann geben sie mehr Geld aus. Deshalb meine starke Referenz zur Zweisprachigkeit. Warum stellen wir uns nicht diesen Herausforderungen?
Welche Rolle spielt die Politik dabei?
Alles ist möglich, und das soll es auch wieder werden. Die Politik muss den Rahmen setzen: Statt Eventmanagement sollen sie sich auf zweisprachige Schulen und Kindergärten konzentrieren. Das macht Kärnten als Standort interessant. Dann bekommt man wieder andere Leute ins Land und Kärntner werden wieder zu und nicht nur wegziehen.
Kärntens Hauptproblem ist die Abwanderung. Wie startet man eine Rückholaktion?
Man darf das nicht krampfhaft betreiben. Viele wären bereit, wirtschaftlich in Kärnten tätig zu werden – denen muss man einfach die Chance dazu geben. Arbeitsplätze entstehen nur, wenn Unternehmer investieren. Man muss also das Unternehmertum stärken.
Der Koralmtunnel spaltet die Geister. Wie stehen Sie dazu?
Man darf den Tunnel nicht nur als Loch durch einen Berg sehen, es bedarf eines Gesamtkonzepts. Einen Tunnel zu bauen ist noch keine Infrastruktur. Von Paris aus ist man in kurzer Zeit mit dem TGW in Marseilles oder Brüssel. Das ist eine Alternative zum Flugverkehr und darum geht es. Es geht um die Anbindung Kärntens an Wien, Graz oder Italien. Das haben wir nicht geschafft. Das ist die Kleinkariertheit Österreichs: Wir diskutieren Projekte, denken aber nicht an ein Gesamtkonzept. Auch der Ausbau der Tauernstrecke hat uns nicht schneller an München gebracht.
Das Land steht finanziell im Eck. Tipps wären beim Konsolidieren hilfreich. Werden Sie, als erfolgreicher Kärntner um Rat gebeten?
Ich bin kein Mensch, der gute Ratschläge gibt und ich glaube auch nicht, dass das notwendig ist. Viel wichtiger wäre, eine Gewinn-und-Verlust-Rechnung zu beherrschen und eine Bilanz lesen zu können. Das gilt für ganz Österreich. Man kann nur so viel ausgeben, wie man einnimmt. Das gilt es umzusetzen und das versteht auch jeder Bürger. Man muss den Leuten klar sagen, was Sache ist und sie nicht für dumm verkaufen.
Wirtschaftsblatt, 6. Dezember 2011, Auszug aus dem Interview mit Heimo Scheuch
Das Land hat ein Riesenpotential.

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Slovensko 
