Verleihung des Gregoriusordens an Univ. Prof. Stefan Karner

An der Verleihung nahm auch die Kärntner Konsensgruppe mit Obmann der Gemeinschaft der Kärntner Slowenen und Sloweninnen Bernard Sadovnik, Sprecher der Plattform Kärnten Chefredakteur a.D. Heinz Stritzl und KHD Obmannstellvertreter Franz Jordan teil, die Univ. Prof. Stefan Karner zur hohen Ehrung herzlichst gratulierten. Auch der Einsatz des Univ. Prof. Karner als Mediators der Kärntner Konsensgruppe wurde hervorgehoben. In diesem Zusammenhang wurde auch die Arbeit der Kärntner Konsensgruppe zur Lösung der Ortstafelfrage gewürdigt.


Für eine Kultur des Erinnerns

Univ.-Prof. Dr. Stefan Karner wurde am 19. 1. 2012 mit dem Päpstlichen Gregoriusorden geehrt.


(Graz, 19.1./GP)

Den Päpstlichen Orden „KOMTUR DES ORDENS VOM HEILIGEN GREGOR DEM GROSSEN“ überreichte heute Diözesanbischof Dr. Egon Kapellari an Univ.-Prof. Dr. Stefan Karner.


In seiner Würdigung sagte der Diözesanbischof, der den Orden auch namens der Österreichischen Bischofskonferenz überreichte:


“Als Staatsbürger und als Mensch im besten Sinn des Wortes Mensch und auf dieser Grundlage besonders auch als Wissenschafter haben Sie ein Profil ausgeprägt, das Ihnen den Respekt und die Dankbarkeit vieler Menschen in Österreich und darüber hinaus in vielen Ländern Europas gebracht hat. Sie haben dabei Werte vorgelebt und vertreten, die auch im Christentum fundamental verankert sind. Zumal durch die Erforschung der Leidenswege von Kriegsgefangenen, Zwangsarbeitern und vertriebenen Menschen haben Sie eine einzigartige humanistische Pionierarbeit geleistet.”


LAbg. Peter Rieser, Präsident des Österreichischen schwarzen Kreuzes, ging in seinen Grußworten auf das Engagement Karners für die Opfer des Krieges ein. Hunderttausende Bestattete konnten durch die Arbeit Karners durch ein christliches Zeichen, das Kreuz, geehrt werden.


Der Bundesratspräsident Gregor Hammerl verbindet seine persönliche Geschichte mit dem neuen Ordensträger, denn auch er konnte durch die Hilfe von Prof. Karner Gewissheit über seinen im Krieg verschollenen Vater erlangen: “Die langjährige Ungewissheit hat das Gefühl des Verlustes verstärkt. Durch Stefan Karner sah ich endlich meinen Vater vor mir und damit einen Teil meiner Geschichte, für mich eine heilsame Erfahrung!” Hammerl dankte dem Bischof für seinen Einsatz, um Prof. Karner die ihm gebührende Ehre zukommen zu lassen.


Auch Altbundeskanzler Dr. Wolfgang Schüssel Ehrung ließ es sich nicht nehmen, die Leistungen Karners als echtem “Pontifex”, also Brückenbauer zwischen Vergangenheit, Gegenwart und Zukunft, zu würdigen. “Wo die Fehler und Verbrechen der Geschichte nicht aufgearbeitet werden, wirken sie unheilvoll nach!” Auch die Lösung der Ortstafelfrage in Kärnten wäre ohne das “Karnerpapier” nicht möglich gewesen.


Der Laudator, Vorstand des Instituts für Wirtschafts- und Sozialgeschichte an der Karl-Franzens Universität Graz, Univ.-Prof. DDr. Gerald Schöpfer, langjähriger Kollege und Wegbegleiter von Univ.-Prof. Dr. Stefan Karner, strich seine wissenschaftlichen Leistungen hervor.


“Stefan Karner war der erste westliche Forscher, dem es gelungen ist, in die ehemals sowjetischen Archive Einblick zu nehmen. In der Frage der Kriegsgefangenen, Zwangsarbeiter und Vertriebenen konnte er humanitäre Pionierarbeit leisten. Tausende von Angehörigen vermisster Soldaten lebten seit dem zweiten Weltkrieg in der verzehrenden Ungewissheit über deren Schicksal. Karner gelang es, in tausenden Fällen Aufklärung zu bringen. Damit erreichte er, worum sich viele Regierungen vorher vergebens bemüht hatten. Ihm ist auch die Innere des KGB bzw. NKWD-Archivs nicht unbekannt und seine zeitgeschichtlichen Forschungen zeichnen sich dadurch aus, dass er immer wieder „ad fontes“ geht, um mit seinem Quellenstudium konsequent ungeklärte Bereiche zu erforschen und manche spannende Antwort zu finden. Er hat aber auch viele Verbindungen zu den USA, beispielsweise durch seine Kooperation mit dem Eisenhower-Center in New Orleans, oder als Vortragender an der angesehenen Harvard University in Cambridge.”


Prof. Schöpfer erwähnte auch die Bemühungen des Geehrten in Fragen der Restitution, Wiedergutmachung, Zwangsarbeiterentschädigung und Entschädigung ehemaliger österreichischer Kriegsgefangener. Prof. Karner arbeitete als wissenschaftlicher Berater für österreichische Ministerien zu Fragen zu den AVNOJ-Beschlüssen, den Beneš-Dekreten und der Volksgruppen-Frage in Kärnten. Im Auftrag von Bundeskanzler Wolfgang Schüssel arbeitete Stefan Karner 2005/2006 als Mediator im Kärntner Ortstafelstreit. Unter seiner Führung entstand der Vorschlag, der unter dem Namen „Karner-Papier“ bekannt wurde.


Von  1995 bis 2010 war Karner Vertreter Österreichs in der „European Commission against Racism and Intolerance“ (ECRI) des Europarates in Straßburg. Von 1997 bis 1999 übernahm er die Gesamtleitung der Denkwerkstatt „Österreich zukunftsreich“ und war auch Mitglied im Verwaltungsrat der „EU-Beobachtungsstelle von Rassismus und Fremdenfeindlichkeit“ (EUMC) in Wien.


Schöpfer würdigte auch die Verdienste Karners “hervorragender Wissenschaftsorganisator, der es versteht, zu Themen, die noch unausgeleuchtet sind, Forschungsteams zusammenzurufen. So übernahm er 1996 die Leitung des Projektes „Die Steiermark im 20. Jahrhundert“. Er leitete auch eine Expertenrunde von ca. 80 Historikern, die den Prager Frühling behandelte. Hier wären noch viele weitere Themen zu nennen, wie beispielweise der Wiener Gipfel Kennedy – Chruschtschow  1961.”


Karner ist Autor von über 20 Büchern und Herausgeber zahlreicher Publikationen und Publikationsreihen und  Autor von über 200 wissenschaftlichen Artikeln.

Aus der Fülle sei erwähnt: “Die Stmk. im Dritten Reich 1938-1945″  „Die Geheimen Akten des KGB – Margarita Ottinger”,  “Die Stmk. im 20. Jh.”, “Die Rote Armee in Österr. 1945-55″,  “Kärnten u. d. nationale Frage im 20. Jh.” 5 Bde. (2005), „Prager Frühling“, usw.


Schließlich erwähnte der Laudator auch die menschlichen Qualitäten des Geehrten: “Mit Unterstützung seiner Frau Lindi ist er ein begnadeter und gastlicher Netzwerker. Das Ehepaar kann sich nicht nur über die beiden erfolgreichen Kinder Alexander und Katharina freuen, sondern sie sind auch jugendliche und mit Freude praktizierende Großeltern. Er ist auch ein Mann von Humor und ist kein trockener Wissenschaftler, sondern einer, der sich auch für Politik, Religion und Kultur interessiert. Als Kärntner ist er naturgemäß sangesfreudig. Er versteht es aber auch der steirischen Ziehharmonika durchaus angenehme Töne zu entlocken. Mit einem Wort: er versteht es, alle Register zu ziehen.”


Der geehrte Historiker bedankte sich für diese Auszeichnung, die nicht nur ihm, sondern den vielen Menschen in verschiedensten Positionen gebühre, die mitgeholfen haben, die Forschungen des Ludwig Boltzmann Instituts zu ermöglichen. “Diese Ehre gebe ich ausnahmslos meinen Mitarbeitern weiter!” Den Orden sehe er als Auftrag für die weitere Aufarbeitung der Geschichte, um eine humane Gegenwart zu ermöglichen.


Univ.-Prof. Dr. Stefan Karner wurde in St. Jakob/Völkermarkt 1952 geboren und studierte Geschichte wie auch Russisch. Er promovierte 1976 mit einer Dissertation über „Kärntens Wirtschaft 1938–1945“ an der Universität Graz und erwarb dort im Jahr 1985 seine Habilitation für Neueste Wirtschafts- und Sozialgeschichte und für Österreichische Zeitgeschichte. 1993 gründete er das Ludwig-Boltzmann-Institut für Kriegsfolgenforschung. Das wissenschaftliche Interesse Karners gilt dabei den humanitären Kriegsfolgen, besonders den Opfern des Zweiten Weltkrieges und den damit verbundenen Wiedergutmachungen. Ein weiterer Schwerpunkt Karners liegt in der Geschichte der Sowjetunion und deren Zusammenbruch. Er diente auch als wissenschaftlicher Berater mehrerer Ministerien. Hervorzuheben ist sein Engagement im Kärntner Ortstafelstreit.


Das zahlreiche Erscheinen hoher Festgäste würdigte den Anlass. Gekommen waren u.a. Altbundeskanzler Dr. Wolfgang Schüssel, Frau Landeshauptmann a.D. Waltraud Klasnic, der Österreichische Botschafter in Slowenien Dr. Erwin Kubesch, der Gesandte der russischen Botschaft Volerij Sidorov, Bürgermeister a.D. Alfred Stingl, Rektorin Univ.-Prof. Dr. Christa Neuper, Konsul Johannes Hornig, Landesdirektor des ORF Dr. Gerhard Draxler, Chefredakteur der Steirerkrone Christoph Biro und zahlreiche geistliche Wegbegleiter aus Kärnten.


Der Gregoriusorden („Ordine Equestre Pontifico di San Gregorio Magno“) ist der vierthöchste Orden für Verdienste um die römisch-katholische Kirche. Univ.-Prof. Dr. Stefan Karner trägt ihn in dritter Klasse, der Komtur. Der Orden wird mittelbar vom Papst verliehen.